Die hätte ich ja fast vergessen!

So, ein Tag vor Silvester krieg ich auch endlich meinen letzten Blog für dieses Jahr raus gekloppt. So einen supertollen Rückblick kann ich gar nicht geben, weil ich meine persönlichen Highlights alle schon auf dieser Seite verewigt habe und bevor ich mich wiederhole hol ich lieber ein paar neue Bands ran.

Wobei –

Es gibt so eins, zwei Bands, die ich tatsächlich vergessen habe, so unglaublich das klingen mag.

Veto

Indietronics, Electro, Nu Rave, egal wie man es nennt, dieses Genre hat sich ähnlich wie New New Wave zu einer Fundgrube an guter Musik, aber genauso schnell zu einem riesigen Wust an öden Nachahmern entwickelt. Was 2007 noch so vor Superbands sprühte, hatte 2008 nicht mehr wirklich viel Neues zu bieten, selbst “Neuentdeckungen” wie Crystal Castles hat es eigentlich 2007 schon gegeben.

Allerdings gab es trotzdem noch Gutes in der Plattenkiste.

Neben Late of the Pier, die anarchisch wüst durch Nu Rave stampften, fielen besonders die gar nicht so neuen Veto aus Dänemark auf, die mit aggressiven Songs wie die wütenden Brüder von Goose und den Klaxons klingen. Die Mittel sind einfach, die Ideen nicht neu, aber die Umsetzung ist formidabel und daher ist das Album auch ein wahrer Geniestreich an guten Tanzsongs, zu denen man ausgelassen tanzen kann, natürlich immer mit verbissener Miene. Und wenn Verzweiflung so gut klingt, kann man sich ihr auch gerne mal hingeben.

Built to Fail

The Black Ghosts

Ich hätte eigentlich gedacht, dass diese Band weitaus mehr Feedback in Deutschland kriegen würde und dass Songs wie “Repetition kills you” alsbald aus jedem Radio geschallt kommen würden, stattdessen – Nüscht. Seltsam, verbirgt sich doch hinter den Black Ghosts Simon Lord von Simian/Simian Mobile Disco und Wiseguy’s Theo Keating. Wobei, vom Verbergen kann man da gar nicht reden, denn Simon Lord zeigt auf diesem Album durchweg, was sich bei Simian und Simian Mobile Disco schon ab und an in einzelnen Songs angekündigt hat, der Junge kann singen was das Zeug hält und beweist auch hier eine Vielfältigkeit, die von sanften Balladen, coolen Dancetracks zu retroesquen Sommerstücken reicht.

The Black Ghosts haben mal eben – unglaublich aber wahr – so ungefähr alles in einem Album vereint, was zur Zeit gut an Electro ist.

Ob stampfende Dancemonster, die die Glieder wie von selbst über die Tanzfläche zerren, ruhig chillige Songs, die einem eine wohlige Gänsehaut verpassen, oder verkopfte Spielereien, die mal nach den 80er, dann wieder nach der Zukunft klingen, wer sich einen Überblick über alles, was derzeit in Electro angesagt ist, verpassen will, braucht im Grunde nur dieses Album.

Als ob das nicht ausreicht, wurde sich dann auch noch Damon Albarn ausgeliehen, um ein bisschen Gorillaz-Feeling auf dem Track “Repetition kills you” zu stampfen. Funktioniert. Zwischen all den großartigen Electrotracks schlüpfen dann auch noch Titel wie “Don’t Cry”, die eben mal beweisen, dass die Jungs auch noch bessere Popsongs als Justin und Timberland kreieren können.

Repetition kills you

Jamie Lidell

Eigentlich glaube ich nicht, dass man diesen Mann noch vorstellen muss, aber vielleicht gibt es ja doch den Ein oder Anderen, der noch nichts von diesem Soulwunder gehört hat. Wer Jamie Lidell einmal live gesehen hat, weiß, wovon ich spreche. Da kann man dann diesen leicht schrulligen Typen sehen, der komplette Soul/Funknummern raushaut, die nur aus seiner Stimme bestehen, die er durch Loops als Background, Beatbox, Chorus und Melodielinie verwendet, während er darauf singt. Eine Ein-Mann Band, die mal eben ganz ohne Instrumente auskommt. Und was live einfach nur faszinierend ist und wirklich Spaß macht, lässt sich auf Tonträgern zwar nicht ganz so beeindruckend kopieren, ist aber trotzdem ein Funkmonster, dass sich gewaschen hat. Dass er diese experimentellen Übersongs schon seit 1997 fabriziert, ist dann einfach nur schockierend, denn mal ehrlich: wie hat er es hingekriegt, so lange unbemerkt zu bleiben?

 

A little bit of Feelgood (der aufmunterndste Song 2008)

live 2004 (denn man muss das mal gesehen/gehört haben)

One thought on “Die hätte ich ja fast vergessen!

  1. Oh. VETO mag ich auch gerne. Die machen ja schon seit jahren das, wofür bodi bill die letzten monate so hochgehoben wurden. alles andere, was du hier schreibst kenn ich überhaupt nicht. vielleicht sollte ich es mir zur angewohnheit machen, mehr blogjournaille zu lesen.

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