Don’t look back in anger – just don’t look at all!

Hm, warum fallen mir eigentlich ständig nur englische Überschriften ein? Egal, auf zum Thema!

In seinem Buch “Fleisch ist mein Gemüse” hat Heinz Strunk das Phänomen zum ersten Mal zur Sprache gebracht, der ‘Starrer’, ein ganz und gar harmloses Wesen ist nicht nur ein Mythos aus Fabeln und Märchen, sondern lebt tatsächlich in einer Welt voller selbstbewusster und attraktiver Menschen.
Da ich als Sozial-Astheniker auch gerne einmal vergesse, dass man zum Flirten beispielsweise auch mal lächeln sollte, oder dass meine Panik ob Selbstbewusstseins-Zermalmender Zurückweisung total unsexy ist, wenn sie sich wie eine Wasserleiche in meinen Tellergroßen Augen wieder spiegelt, kann ich natürlich mitfühlen, wenn es um die innere Pein des gemeinen Starrers geht.
Allerdings muss ich hier auch einmal aus der Perspektive der Bestarrten ein Wörtchen dazu sagen, denn was in Maßen noch ertragbar ist, kann in einer überschwenglichen Starrer-Hyperbel gerne mal gehörig auf den Sack gehen.
Dabei ist das leicht panische Starren sehr viel weniger enervierend, als das lüsterne Betrunkenengegaffe, das oftmals von rausgeputzten Haargel-Prolls praktiziert wird, die dazu auch noch denken, dass es irgendwie anziehend ist, wenn man von einem sabbernden Ed-Hardy-Werbeträger angegeilt wird. Zu allem Überfluss sammeln sich diese Blickbelästiger auch noch in vor lauter Arroganz Atommüllgrün*-leuchtenden Glotzgruppen zusammen, so dass man sich als tanzende Hupfdohle wie die Auslegware der Roten Meile fühlen muss und sich dabei schamvoll unästhetische Sackkleider herbei wünscht, um das Äußere auf ein “Schwiegertochter Gesucht”-Maß herunter zu kochen.
Ja, man kann noch nicht einmal riskieren, aufgebracht hinüber zu blicken, aus Angst, dass das Blut des Starrers sich mittlerweile in die alkoholisierte Gefahrenmischung verwandelt hat, die die eigene Selbsteinschätzung komplett überfordert und zu Größenwahnsinn ob der eigenen Geilheit führt. Jeder Blickkontakt wird als Aufforderung gesehen, was natürlich auch heißt, dass man als Tanzmarie nur noch den Boden anvisieren kann, damit man nicht beim legeren Blickschweifen wie hilfloses Vieh im Wirbelsturm in die Testosteron-schleudernden Augen der Atzengaffern gerät und mitgerissen wird, was in den schlimmsten Fall zu herüber schwankenden schlechten Sprüchen und Grabbelpfoten führen kann.

Was will ich eigentlich damit sagen?
Der von Herrn Strunk beschriebene Starrer darf auch weiterhin aus dunklen Ecken herüber stieren, das ist zwar nicht angenehm, aber verständlich.
Der sehr viel aggressivere und dazu auch noch in Gruppen terrorisierende Proll sollte jedoch bitteschön ein wenig Lektüre zum Thema “Non-verbale Kommunikation” zu sich nehmen, denn Trockenwürgen angesichts der künstlich ausgebleichten Markenjeans zum Tattoo-Druck-T-Shirt ist kein Zeichen von Zuneigung.

*Der Artikel wurde geschrieben, als die ganze Japan-Krise noch nicht im Gange war, politisch korrekte Edition erscheint mir allerdings als überzogen, daher hab ich es drinnen gelassen.

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