John Grant und Alessi’s Ark

Gestern war ich auf einem umwerfenden Konzert, hatte davor nicht nur eine sehr nette BBQ Runde, sondern auch noch ein bezauberndes Interview mit der äußerst charmanten Alessi von Alessi’s Ark. Diese grandiose Songwriterin war Supporting Act zu John Grant und stand nur mit einer Gitarre bewaffnet auf der Bühne, sah ein wenig verloren aus und hat uns alle (sitzend im Lido – merkwürdig) mit ihrer etwas schüchtern-nervösen, aber gleichzeitig sehr einnehmenden Art zu Fans gemacht. Da ich im Rahmen des Interviews ihr nun schon zweites Album kannte, war ich das natürlich schon, ich gebe sogar zu, dass ich nicht erwartet habe, dass es so gut ist, aber Alessi mixt unglaublich viele Stile und hat mit gerade einmal 29 Minuten Spielzeit ein Folk-Album in Punk-Länge heraus gebracht. Das ist doch auch mal was. Zu Alessi und dem Interview komm ich demnächst noch (huch, das Low Anthem Interview bin ich ja auch noch schuldig….)

Und dann betritt John Grant die Bühne und überrascht mich erst einmal, da er komplett akzentfrei Deutsch spricht und ich schamvoll überlegte, ob mir etwa entgangen ist, dass er aus Deutschland kommt und das, wo ich doch schon über ihn geschrieben habe. Aber nein, er hat Germanistik studiert und war wahrscheinlich ähnlich penibel bezüglich seiner Aussprache, wie ich mit meinem Englisch. John Grant sieht auf der Bühne aus, als wäre er 3 Meter groß und als könnte er locker das Soap-Bübchen im neuen Thor-Film ersetzen. Bereits nach dem ersten Satz haben wir uns allesamt in Herrn Grant verliebt, kein Wunder, diese Mischung aus künstlerischer Brillanz, Witz und Ehrlichkeit ist entwaffnend, dass er kurz vor Ende der Show sagt, dass er Zugaben albern findet und daher einfach alle Songs spielen wird, um dann diesen ganzen Off-stage-Applaus-on-stage-Kram eben nicht erdulden zu müssen, macht ihn noch viel sympathischer, wenn das überhaupt möglich ist.
Da ich nur bedingt mit John Grants Musik vertraut bin (wegen einem Song auf ein Konzert gegangen – normalerweise bin ich ja nicht so vorschnell, aber naja, man kann ja mal eine Ausnahme machen), überrascht mich der Witz, der auch noch tief in ausschweifend schönen Melodien versteckt ist.

Teilweise macht sich John Grant vollkommen nackig, es ist schon fast gewalttätig, wie intim manche seiner Songs sind, aber anstatt uns alle verschämt auf den Boden blicken zu lassen, bewegt dieser Einblick ungemein, nicht zuletzt, weil Grant zwischen Herz zermalmenden Songs wie “it’s easier” immer auch wieder zynische Stücke a la “Chicken Bones” einstreut, die Kunst eines guten Zynikers liegt nun einmal darin, seine verletzte Seele mit einem Lachen zu tarnen.
Was soll ich sagen, 2010 hab ich entdeckt, dass Edward Sharpe & The Magnetic Zeros eines meiner Lieblingsalben 2009 veröffentlicht haben, dieses Jahr muss ich fest stellen, dass John Grant wohl mein Lieblingsalbum für 2010 kreiert hat. Nach einer langen Zeit, in der er mit Alkohol, seiner eigenen Vergangenheit und den Dämonen, die einem allzu selbstkritischen Menschen sowieso immer im Nacken hängen, zu kämpfen hatte, hat sich John Grant gerettet und mit “Queen of Denmark” ein Album heraus gebracht, das zu Recht von der Presse geliebt wurde, zusammen mit seiner einnehmenden Live Präsenz und einer sehr individuellen Poesie hat sich damit ein Songwriter gefunden, der die Welt erobern kann.

Wenn ich also demnächst immer mal wieder wahllos John Grant Songs poste…es muss sein.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s