That was the month that was: Musik und so im April 2011

Was für ein Monat, was für Musik, zwar haben die großen Kaliber enttäuscht, dafür gab es beispielsweise mit JD McPherson ein Rock’n Roll Album, das so frisch klingt, als wäre es aus den 50er Jahren hier her transportiert worden und hätte nebenbei noch etwas Luft aus dem 21.Jahrhundert geschnappt. Zackig, mit einer sehr markanten Stimme und großartigen Musikern gehört “Sign and Signifiers” definitiv zu den Gewinnern im April.

Auch The Head and the Heart haben ein wunderschönes Album heraus gebracht, Dark Dark Dark darf man ebenso loben, beide Bands machen diese derzeit ja doch sehr populäre Indierichtung, bei der es mit ein wenig Orchesterwums, ausschweifenden Melodien und etwas Dramatik immer feierlich wird. Dieser Trend kann meinetwegen auch gerne noch etwas weiter gehen.

The Donkeys mochte ich außerdem, dieser zurück gelehnte Americana-Retrorock unternimmt ja immer den Balanceakt zwischen entspannt/nostalgisch und langweilig/nichtssagend. The Donkeys tanzen sicher auf der guten Seite, auch wenn es auf ihrem Album zwei Stücke gibt, die mit ihren orientalischen Klängen nicht so ganz durchhörbar für mich waren (ich hatte da nur Wasserpfeife rauchende Intellektuelle im Kopf), aber wegen zweier Instrumental, drehe ich niemandem einen Strick, vor allem nicht, wenn der Rest des Albums so gut gelungen ist.

Ebenso das Album von Alessi’s Ark, einer viel zu jungen Songwriterin, die zeitlose, durcheinander gewirbelte Popsongs aneinander reiht, ohne sich darin zu verlieren. Sehr sympathisch ist sie auch noch.

Zum passenden Konzert mit Alessi im Vorprogramm hab ich mich dann unsterblich in den Hauptact John Grant verliebt und mindestens eine Woche mit seinen Songs im Dauerlauf verbracht. Das Konzert des Monats steht also ohne Konkurrenz da, wobei ich sogar glaube, dass ich auch keine anderen Konzerte im April besucht habe, selbst wenn ich es vorhatte. Eine Erkältung und allgemeine Lustlosigkeit sind üble Konzertgegner.

Mein Buchtipp: Jeremy Dyson “Never trust a rabbit”. Ich bin ja ein großer Horrorfan, das betrifft vor allem Bücher. Bis auf Buchreihen über Vampire und Vampirjäger und Werwölfe und anderen Kram, der eher mit Soaps als mit Horror zu tun hat, bin ich immer wieder offen für gute Gruselschauer. Jeremy Dyson ist nicht nur Mitglied der besten der Besten League of Gentlemen, sondern auch ein sehr cleverer Schriftsteller, der in seinem Buch die modernen Versionen der Twilight Zone verfasst. Ein sehr amüsanter Genremix außerdem.

Mein Patent des Monats: Ich hatte eine sehr großartige Idee, die mir dann wieder entfallen ist, daher muss die zweitbeste Idee herhalten: Ein misanthropisches Altenheim, in dem Enkel, Kinder und andere Verwandte, ihre ungeliebten Alten abschieben können, die dort in tagelangen Nepper-Kaffeefahrten fest gehalten werden, nur geschmacklosen Erbsenbrei zum Essen bekommen und tagein tagaus RTL2 gucken müssen. Unglückliche Menschen sterben nämlich auch schneller und vererben dementsprechend fixer. Wenn sich das gut verkauft, kann man es auch auf Kindergärten und Ferienreisen ausweiten (zum Beispiel auf der Break-Up Pärchentour).

Jetzt NEU; der Onlinecartoon des Monats: Hark a Vagrant.
Ich liebe Kate Beaton, ihren Humor, ihre Zeichnungen, außerdem hat man das Gefühl, man lernt etwas (was man tatsächlich tut, wenn man ihre Kommentare zu den Comics liest). In den Comics geht es vorwiegend um historische Figuren oder literarische Charaktere. Manchmal macht sie auch gerne etwas über Kanadier, denn die sind – wie wir alle wissen – die besten Menschen der Welt.

Und das, wo doch das neue Elbow Album auf dem Markt gekommen ist! Ja, Elbow schaffen es immer wieder, sich von Grund auf treu zu bleiben, ohne dasselbe Lied immer und wieder herunter zu leiern. Stattdessen klingt jedes Album frisch, neu, wie die sich gehäuteten Elbow, die wieder in frischen Farben erscheinen, etwas gewachsen, etwas verändert, etwas mutiger, aber niemals abwegig, niemals langweilig, niemals enttäuschend. Gerade weil das aktuelle Album nicht ganz so pompös ist, wie “Seldom Seen Kid”, sondern mit hauchzarten Kompositionen arbeitet, muss hier mal Lob an die Band ausgesprochen werden, denn natürlich ist Guy Garvey, nebst seiner Stimme der scheinbare Dreh- und Angelpunkt, nicht zuletzt durch seine Lyrik, die einfach seinesgleichen sucht, aber was für ein Haufen an Genies muss das sein, der es schafft, die schönsten Horizonte an musikalischen Nebelschwaden zu kreieren, die niemals zu schwer wirken, selbst wenn Schicht über Schicht folgt, sie bleiben delikat. Wie großartig dieses Album doch ist. Ich sag es immer wieder gerne, Elbow schaffen es, ihre Songs so zu schreiben, das nirgends auch nur ein Ton, eine Pause zu viel oder zu wenig ist. Wie kann man nur “I miss your stupid face” singen und dabei so viel Liebe verbreiten?
Ja, das sind sie auch, so viel Liebe. Deshalb muss man auch immer aufpassen, wie sehr man sich auf ihre Songs einlässt, weil sie einem immer nahe gehen und das auch schon mal peinlich werden kann, wenn man auf Arbeit mit vor Rührung zitternden Lippen vor dem Bildschirm sitzt. Diese Liebe wird niemals alt.

Mai verspricht, stressig zu werden. Ein paar Interviews, ein Festival, hoffentlich diverse Konzerte und wenigstens eine Runde Minigolf.

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