Lazy Sunday: Schlechte Marketingstrategien pt.1

Bevor ich nach Berlin gezogen bin, während meiner etlichen – oftmals frustrierenden – Besuche, um mir Wohnungen an zu sehen, die ich am Ende doch nicht bekommen würde, hatte ich immer mehr Pufferzeit als gewünscht und verbrachte diese öfters in Kaufhäusern, um das große Warenangebot der westdeutschen Großstadt zu bestaunen. Dabei ist mir unter Anderem auch eine Zahnstochermarke mit Axel Schulz als Werbegesicht aufgefallen.


Zu allererst muss man sich natürlich die Frage stellen, wozu Zahnstocher überhaupt Prominente brauchen, die sie bewerben. Ähnlich wie Stecknadeln, Wattestäbchen oder Gefriertüten halte ich Zahnstocher für Dinge, die der Mensch entweder braucht oder nicht, die er jedoch niemals kauft, weil ein aufgedunsener Sportler ihm dazu rät. Entweder man gehört zu den Leuten, die Zahnstocher nutzen – etwa zum Verwenden für kleine Käsehappen oder trockene Minibuletten (das Los der Minibulette ist die Trockenheit, da saftiges Hack nur ab einer bestimmten Dichte realistisch wird), oder aber zur enervierenden Zahnreinigung am Wohnzimmertisch, während sich die Ehegattin mit tief eingefurchter Stirn auf Heidi Klum und ihre Modelpüppchen konzentriert, um das zutschende Geräusch nicht zu hören, denn wisse, Zahnstocher werden zwar von beiden Geschlechtern genutzt, aber während Männer sie semantisch korrekt benutzten (aber immer Knigge-technisch inkorrekt in Gesellschaft der unter den ekligen Geräuschen leidenden Liebsten), verwenden Frauen sie ausschließlich zur Partyhäppchen-Verschönerung und würden niemals auf die Idee kommen, sie zwischen ihre Zähne und ihr verletzliches Zahnfleisch zu lassen, immerhin gibt es Zahnseide, ja tatsächlich.

Nachdem man sich damit abgefunden hat, dass es anscheinend auch “hippe” Trendmarken an Zahnstochern gibt, die sich einen Reigen an Promis engagiert haben, um sie zu bewerben (demnächst auch mit Joko und Klaas – die derzeitigen Werbeschlampen für alles), stellt sich die viel größere Frage, warum man ausgerechnet einen Boxer dafür engagiert, immerhin gibt es wenige Berufe, die ähnlich des Boxers so sehr von fehlenden Zähnen geprägt sind, daher so große Lücken im Mundbereich haben, dass sich selten Nahrungsmittel dazwischen fest setzten könnten, es sei denn, eine viel zu kleine und daher noch trockenere Minibulette hat sich in der frisch heraus geschlagenen Lücke verkeilt und lässt sich auch mit reinem Zutschen nicht entfernen, muss daher mittels Zahnstocher ausgehebelt werden. Geht man davon aus, dass Minibuletten aufgrund der Globalisierung als Finger Food sowieso out geworden sind, da Würstchen im Schlafrock, Minipizzen und Frühlingsrollen, sowie Tofuhäppchen, Tapas und Antipasti mittlerweile die Hausfrauenpartybuffets dominieren, dürfte die Gruppe der Bulettenopfer an sich schon sehr klein sein, von Finger Food essenden Boxern mit Bulettengroßen Zahnlücken ganz zu schweigen.

Mein Vorschlag daher: Anstelle Axel Schulz 3 Millionen Euro dafür zu bezahlen, dass er sich schamlos seine Essensreste vor klickender Kamera aus den Zähnen pult, sollte man vielmehr die Zahnstocher-Platzierung im Supermarkt angehen, so dass sie überall dort zu finden sind, wo der Gedanke an ihre Hilfe zur Zahnpflege tatsächlich auch assoziativ seinen Weg in den Einkaufswagen findet. Etwa beim Obststand direkt bei den Äpfeln, da sich ein Stück Schale regelmäßig wie eine hysterische Frau an den Zahnkanten fest krallt, um nicht herunter geschluckt zu werden, in den Regalen, wo billiges Grillfleisch angeboten wird, dessen Sehnen sich wie Tentakel in den Zahnreihen verfangen, oder im Vorteilspack mit Blattspinat oder Petersilie, die Albtraum-Lebensmittel jedes Zahnpasta-Lächelns, bzw. Filmklischeephobikers.

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