Lazy Sunday: Karneval der Unkultur

Diesen Montag, bzw. letzten Montag war ich beim Karneval der Kulturen in Berlin. Nicht etwa, weil ich Karneval mag oder etwas mit Kultur anfangen kann, sondern weil ich seit meiner halbjährigen Lebenszeit in der Hauptstadt kein einziges mindergroßes Event mitgemacht habe, sondern regelmäßig fast schon gehässig zu hause saß, um nichts zu tun.
Ich fühlte mich also genötigt, an dem bunten Einerlei teil zu nehmen, verzichtete freiwillig auf den Umzug, sondern schlawenzelte mit Freunden am darauf folgenden Tag durch das reichhaltige Angebot an Bratfett, Capoeira Darbietungen, die in von Menschenmassen zu klein gehaltenen Kreisen wie die Balztänze betrunkener Schimpansen wirkten, und natürlich Trommelgruppen.
Ich bin kein Fan von Trommelgruppen, sie spielen immer länger, als man es sich wünscht, sehen immer so aus, als ob sie die Freiheit für sich gepachtet haben und klingen alle gleich. Außerdem locken sie barfuss laufende Männer in Leinenhemden an, die ausgelassen dazu tanzen und insgeheim hoffen, dass die allesamt jüngeren, gleichfalls ausgelassen tanzenden Frauen sie für ihre mutige Zurschaustellung ihrer Emotionen lustvoll beäugen. Ich hege – das gebe ich offen zu – unbegründete Vorurteile gegen jeden, der in einer Trommelgruppe ist und es nicht nur einmal “so zum Spaß” auf einem Urlaub in Spanien am Strand mitgemacht hat, weil die Stimmung grad so gut war.
Als ich also zwischen zwei – ungelogen – nur Meter voneinander entfernten, sich gegenseitig in den Takt reingrätschenden Trommelgruppen durchging und mich an meinen mentalen Happy-Place* wünschte, fiel mir die Idee zu einem Karneval der Unkulturen ein.

Mein Karneval der Unkulturen: Untalentierte Punkbands als Musikacts, es wird aus Pornomagazinen gelesen, Graffiti Künstler schmieren nichts als ihre Tags und rüde Bilder schlecht ausgeprägter Geschlechtsteile an die Wände, ausschließlich sturzbesoffene Tanzgruppen kotzen auf das Publikum und an den Ständen werden Minutenterrinen und Bifi, bzw. deren Billigmarke Saleti verkauft, dazu noch gebrauchte Handyschalen und Kunst aus Glasscherben für die Kleinen. Zum unintellektuellen Mittagsprogramm gibt es Hetzreden gegen jegliche Art von globaler Verbundenheit, deren Argumente nur aus den Überschriften politisch inkorrekter BILD-Ausgaben genommen werden dürfen, wobei Schlagwörter nur dann akzeptiert werden, wenn sie mit unnötigen Anglizismen a la “Energy”, “Personality” und “tightness” ergänzt werden. Das Kinderprogramm umfasst Tätowierungen von den Namen ihrer Lieblingscomics in Form von chinesischen Schriftzeichen, zudem familienverbindende Events wie Bierdosenstechen und lang anhaltende Quengeleien in den anliegenden Restaurants, während man dort mit den Kindern auf Toilette geht, ohne etwas zu bestellen.

Freiwillige werden ab jetzt gesucht, unkreativer Input ist erwünscht.

Mein Happy Place:

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5 thoughts on “Lazy Sunday: Karneval der Unkultur

  1. Arschbombenbattle? Wettfurzen? Alternativ auch Wettrülpsen? Salamiweitwurf? Ist natürlich auch individuell austauschbar mit Fressalien oder sonstigen Gegenständen jeglicher Art. (Soll auch beim Force Attack immer gut ankommen. Ist wohl Tradition, sich am Ende der Veranstaltungen das Campinggeschirr um die Ohren zu hauen und dann mit offenen Kopfwunden den Platz zu verlassen.) Die Prothesen-Tombola find ich persönlich auch schick.

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  2. In der Berliner war ein schöner Leserbrief, in dem ein Vater meinte, dass es mitlerweile unmöglich ist mit seinen Kindern das Ganze zu besuchen, weil schon weit vor Mittag sich die besoffenen Horden am Straßenrand sammeln. Also scheint dein krudes Gedanken-Dings-Bums garnicht mehr weit zu sein.
    Der Punker an sich weiss, wo es was zu hollen gibt!

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    1. Ja, aber man betrinkt sich doch auch, damit man diese Horden schrecklicher Kleinfamilien mit ihren kreischenden Gören ertragen kann.

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