Lazy Sunday: Musik Event Snippets

Diese Woche war ich gleich bei zwei groß angelegten Veranstaltungen, am Dienstag bin ich auf dem New Music Award herum gestolpert, der im Admiralspalast statt fand. Kleiner Tipp: sobald die Stühle weg sind, keine Röcke tragen! Der ganze Boden ist mit Belüftungssystemen übersehen, ich kam mir vor wie eine Mischung aus Marilyn Monroe und Indiana Jones, während ich schweißüberströmt die Peinlichkeitsmienen vermied. Natürlich stand ich am Ende doch immer am falschen Platz, was nie sexy war, da ich nicht dazu neige, verführerisch zu kichern, sondern vielmehr comichaft “woah” ausrufe.

(oh wow, ich wollte eine Marilyn Monroe Parodie, aber das ist besser, als alles andere!)

Die ganze Veranstaltung war sehr surreal, da sie nicht öffentlich war, gab es kaum echte Fans, sondern nur arrogante, viel zu coole Journalisten und Blogger wie mich, die naserümpfend 3km vor der Bühne standen, oder gleich draußen im Vorhof (wo es eine Leierkastenfrau gab…), um sich vom freien Bier die Köppe zuzuhauen. Dadurch fehlte natürlich auch die Aufregung, die bei echten Musikawards in der Luft schwirrt, ohne aufgekratzte Mädchengruppen und die Eltern der Bandmitglieder, die mit tränenvollen Augen den Mist beklatschen, den ihre Ausgeburten da auf der Bühne verzapfen macht sowas keinen Spaß. Ich hatte ihn dennoch, dank netter Gesellschaft, außerdem haben Captain Capa gewonnen, die ich – natürlich aus weiser Voraussicht – im Vorfeld interviewt hatte. Gratulation, sie haben es sich auch verdient.

(Equipment Armageddon throughout)

Erwähnenswert an diesem Abend wäre noch die aktuelle Aktion “Deine Stimme gegen Armut”, man kennt das ja, die Werbung, wo das ansonsten so coole Westside Story Fingerschnipsen durch ein schlechtes Gewissen von ernst in die Kamera guckenden Berühmtheiten korumpiert wurde. Nun, das war wohl noch nicht schockierend genug, also saß das Team von DSGA um den Tisch herum und überlegte, wie man taktvoll, dennoch nachdenklich stimmend die Werbung updaten könnte. DSGA 2.0 quasi. Vielleicht ja Bilder von den Kindern oder Interviews mit den Leuten, die tatsächlich dort arbeiten (wir alle wissen, dass die Berühmtheiten nach dem Werbespot keinen Fingerbreit (haha) mehr für die Organisation tun), damit man weiß, was überhaupt damit erreicht wird? NEIN. Ein höchstwahrscheinlich angetrunkener Praktikant hatte wohl die Idee, dass es am besten wäre, wenn sich die Berühmtheiten kleine Kindergesichter mit billigem Filzstift auf die Daumen malen, so dass diese verwischen, wenn geschnipst wird. Ich lüge nicht, den Beweis gibt es HIER. Geschmackvoll und überhaupt nicht makaber wird man nun also nicht nur mit den Betroffenheitsgesichtern Grönemeyers und Freunde schockiert, sondern darf sich nun auch noch bildlich vorstellen, wie der riesige Finger der Ungerechtigkeit die kleinen Kinder von der Welt wischt.

Meine Idee für das nächste Mal wäre dahingehend, kleine Kinderpuppen zu basteln, deren Köpfe von Grönemeyer und Co mit einer noch viel beeindruckenderen Geste weggeschnipst werden könnten, am besten direkt in die Kamera hinein, dazu werden auf öffentlichen Veranstaltungen, wie etwa dem New Music Award, 3D Brillen verteilt, damit es noch realistischer wirkt. Was sagt ihr?

Am Freitag und Samstag stand ich dann hellauf begeistert inmitten des Berlin Festivals, durfte CYHSY interviewen und hatte auch die charmante Frontfrau von Yelle vorm Mikro, die mit einem aufgeblasenen Papagei ankam (keine Sorge, er war nicht echt), den sie für einen Fotoshoot in die Hände gedrückt bekommen hatte. Das Festival selber war für mich als Musikfan ein Erfolg, da ich diverse sehr gute Bands (Beirut, Austra, Waters, The Black Angels), zwei hervorragende Bands (CYHSY und HEALTH) und eine nostalgische Reise in meine Pubertät (Beginner) live bestaunen konnte.

Clap Your Hands Say Yeah, oh, es war so schön!

Gelacht habe ich bei der Ansage von Waters Frontmann Van, der sich bei dem Eröffnungsact James Blake bedankte, dass er so ein guter Supporting Act war. Haha, wenn das nur jede Band so machen würde, man könnte ein Festivalinternes “Ich packe meine Koffer” daraus gestalten, in der jede nachfolgende Band diesen Gag aufnimmt und durch die zuvor aufgetretenen Bands erweitert. Sollte ein Act einen Namen vergessen, würde Thomas Gottschalk auf die Bühne kommen, ihnen eine Bierdose überreichen, die sie Exen müssten, um sie dann ins Publikum zu werfen. Wer dann von der Dose getroffen wird, wird für 7 Minuten mit besagtem Act in einen Schrank eingesperrt. Klassische Partyspiele* für mehr Spaß auf Festivals!

*Ich wurde nie auf Partys eingeladen, deshalb kann ich mir nur ausmalen, wie diese Partyspiele aussehen würden.

Gerne beobachte ich auch die Securitys, die in diesem Fall ziemlich cool waren, da sie beispielsweise während dem The Black Angels Auftritt eine Polonaise tanzten. Eine wahre Geschichte. Zudem ist es mir immer ein großes Vergnügen, die Gesichter der Secus zu sehen, wenn besonders hippe Acts auftreten. Ein etwas älterer Herr sah sich einen Song von Austra an (wunderbare Musik, aber zu viel Hipster-Getue auf der Bühne) und wandte sich dann mit hochgezogenen Augenbrauen und einem Blick der Fassungslosigkeit zu seinem Kollegen, bevor er sich nach hinten verkrümelte. Solche Momente sind unbezahlbar.

Der Hipster Käfig

Interessant und sehr fortschrittlich waren auch die Bemühungen des Berlin Festivals, die offensichtlich viel zu hohe Anzahl an Hipstern (ich habe 40-jährige Hipster gesehen…und möchte das nie wieder) einzugrenzen, indem eine Art Hipsterkäfig eintwickelt wurde, in dem Trash Hits aus den 80ern und 90ern ironisch durch Kopfhörer gefeiert werden konnten, während der Rest der Festivalbesucher sie mit Erdnüssen oder den überall ausgegebenen Tic Tacs bewarfen. Ein Spaß.

(sorry, aber diese Marilyn Monroe Sachen im Netz sind zu gut!)

Das wars von mir, mehr zu HEALTH und anderen Neuentdeckungen gibt es nächste Woche. Schönen Sonntag, over and out.

Ach so, hier noch USA Boys live in einer Wahnsinnsqualität von Schuetzekramer.

(BASS PLAYER – YOU’RE DOING IT WRONG!)

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7 thoughts on “Lazy Sunday: Musik Event Snippets

    1. nichts zu danken, jetzt müssen wir nur anfangen, den auf Protesten anzustimmen, um ein zweites “blowing in the wind” draus zu machen. Es wird schwer, aber das schaffen wir schon.

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      1. Ja stimmt, ich müsste dazu auch erstmal auf Demos gehen. Vielleicht sollten wir mit kleinen Schritten anfangen und erst eine Selbsthilfegruppe für Protestveranstaltungsneulinge gründen. Vorbereitung ist ja alles. Als erste Demo würde ich was Leichtes vorschlagen, da eignen sich beispielsweise die Montagsdemos in Rostock, die haben auch nur max. 12 Teilnehmer.

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      2. Das klingt entspannt, so machen wir das. Diesen Montag habe ich zwar schon was vor, aber bestimmt ergibt sich irgendwann was.
        Bis dahin nehme ich mir fest vor, den Song als Intro für mein nächstes Philoso4 zu verwenden, das ist doch auch schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

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  1. @ Hipster-Kram:

    “Its easy to say now their trainers seemed fine
    And their hair was a fucking delight
    But one of those bands got paid I heard
    One of those bands got fake tits”

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