That was the month that was: Alben und mehr im September 2011

Da dachte ich also, dass mir nach White Denim so schnell keine andere Band den Atem verschlagen kann und dann hauen mir HEALTH mit den viel zu hochgedrehten Bässen des Berlin Festivals riesige Electronoisemonster entgengen. Schön wars. Interviewtechnisch durfte ich Indiehelden Clap Your Hands Say Yeah, den genialen Aaron Bruno von Awolnation und die Stoner-tastischen The Duke Spirit vor dem Mikro begrüßen. Diese Drei sorgten auch für die Grundlage der Alben dieses Monats, die nur von Gotye und Mastodon (netter Mix) vom Dauerlaufthron gestossen werden konnten. Und kurz vor Ende schlichen sich noch – bis jetzt unerwähnt im Blog – die fantastischen Brass Brothers hinein, die ähnlich wie Dan Mangan sehr folkig pompös daher kommen, aber gleichzeitig auch noch psychedelisch-bluesige Led Zep Anleihen in den Mix bringen, der im phänomenalen “Give the devil back his heart” absolut sprachlos macht.

Für die Prise Electro sorgte Apparat (obwohl eher im Stil von Radiohead/Yorke solo) mit seinem wunderbar schwebenden “Devil’s Walk” und die gruseligen White Ring (brr), außerdem hab ich diverse Hip Hop Sachen für mich entdeckt, Scroobius Pip ist der frechere Kollege von Sage Francis, Oldschool Samplertastisches von Shoul Khan und sehr coole Sachen von Dope D.O.D. DAYUM, Hip Hop is big right now!

Best video ever? I bet cha!

Wie jeden Monat habe ich versucht, “infinite Jest” zu tacklen, wieder einmal musste ich einknicken, mein Scatterbrain ist noch nicht bereit, ein Buch zu lesen, das mich jedes Mal mit unmöglichen Fremdwörtern aus dem Konzept bringt. Ich fange auch an, diesen Stil in Frage zu stellen, Postmodernismus hin oder her, aber wenn ich nicht in die Story reinkomme, weil ich nicht Jura, Medizin, Psychologie, Geschichte, Literatur und Sport mit Suma cum laude abgeschlossen habe, dann frage ich mich, ob ich überhaupt die Mühe aufwenden soll, vor allem, wenn ich das über 1000 Seiten lang durchziehen soll. Verdammt, David Foster Wallace, man kann auch gute Literatur schreiben, ohne so ein blöder Angeber zu sein und wer hatte überhaupt die bescheuerte Idee, die Fußnoten am ENDE des Buches zu setzen und nicht auf den unteren Part der Seite? Ich blätter doch nicht 4x/Seite, es ist ja gerade so, als würde es einem extra unmöglich gemacht, sich in die Story reinzulesen! Aus Frust habe ich The Anthology of Horror raus gekramt und gelesen, für diese Jahreszeit sowieso passender. Bätsch.

Meine Patentidee des Monats: Brillengläser, die nicht beschlagen. Simpel und genial, warum hat das noch niemand erfunden? Und warum hab ich nicht Optometrie studiert, um sie selbst zu realisieren?

Comic-Blog des Monats: Gunshow, früher mal albern und vor allem witzig, weil Gunshow die BESTEN Gesichtsaudrücke der Welt hat, mittlerweile aber teilweise genial (dark Homer beispielsweise, großartig).

Ach so, da war ja auch noch was diesen Monat. Der Papst. Eigentlich wollte ich total aktuell was zu ihm schreiben, letzte Woche also, das hab ich auch getan, aber wirklich gepostet hab ich es dann doch nicht. Aber wofür hab ich diese Rubrik auf meinem Blog, um nicht den Müll zu posten, der nicht gut genug für andere Beiträge war? Muahaha:

Vernunft und Natur beim Papst: Heute mal andersrum

Dualismus, Philosophen gehen beinahe daran zugrunde, Schuld sind die alten Theologen, die es erst so konsequent auf den Tisch gelegt haben, die immergroße Schwelle zwischen Geist und Materie (nicht Marteria, das ist Hip Hop, selten eine Schwelle von irgendwas, hihi, kleiner Musiknazischerz), Körper und Seele, Vernunft und Natur. Letztere nutzte auch Ratzi in seiner ausgewaschenen, blutleeren Anbiederung an die umweltnahen, deutschen Politiker. Aber, anscheinend war es dem mehr als studierten Theologen leidig egal, was die katholische Kirche in den letzten hunderten an Jahren aufgebaut hat, von Fortschritt kann man jedoch nicht reden, wenn er zwei hochphilosophische Begriffe mal eben zerhackt und für seine rhetorische Schönmalerei verwendet. Theologenhack kann man sowas wohl nennen, mit Rhetorikbrötchen und Größenwahnsoße. Haha, meine Metaphersynapsen laufen heut ja wieder heiß.

So, für jeden, der den klassischen Dualismus grad nicht auf dem Zeiger hat, hier eine kurze, bunte Beschreibung.

Der klassische Dualismus beschreibt die Natur als das Niedere, die Triebe, die animalischen Instinkte, auch den Körper, der Anker der menschlichen Seele, denn im Körper wohnt die Lust und die Begierde, quasi alle Sünden, die man so in der Bibel finden kann (und das sind ganz schön viele!)

Die Vernunft hingegen ist der Geist, der Verstand, ja, die Seele, die Verbindung zu Gott ist die Vernunft, quasi die Schnittstelle, der USB Anschluß, immer gen Himmel strebend, dem Körper fliehend, der sowieso ständig stinkt und haart.

Alles klar? Alles klar!

Hat man jedoch Ratzis Rede verfolgt, musste man plötzlich verwirrt feststellen, dass das nicht mehr ganz so der Fall war, hier also mal eine kurze, bunte Beschreibung der allzu schicken Papstbuletten:

Die Natur ist plötzlich alles schöne, frische, das von Gott geschaffene, für den Papst ist die Natur ein schöner Baum, ein klarer Quell, ein süßes Tier (natürlich nur von denen, die nicht homosexuelle Neigungen haben, da bleiben nicht mehr viele, aber sicher noch eins, zwei die nicht supereklig sind).

Die Vernunft hingegen, iiiiieh, die Vernunft, diese Stammzellenforschung, Wissenschaft (pah!), Für Ratzi ist die Vernunft die Maus mit dem angenähten Ohr, der abgetriebene Embryo immer gerne dargestellt in kleinen Plastikpuppen, die von Nonnen in die Briefkästen unbescholtener Bürger geworfen werden, ja, selbst Adrian Brody, der ein genmanipuliertes Mutantenmädchen pimpert ist Vernunft (ieh, Vernunft, du bist aber auch widerlich).

Was mich an der Sache ärgert, vor allem, weil es so clever war, dass ich erst Tage später konkret drauf gekommen bin, ist die Tatsache, dass es weder theologisch haltbar ist, noch einen fortschrittlichen Gedankengang innehat, sondern faule, sogar nachlässige Rhetorik ist, die keinerlei Inhalt bietet und jeden halbwegs gebildeten Theologen beleidigen würde. Und Ratzi ist einer! Er hätte genauso gut eine Rede schreiben können, in der seine Punkte genannt werden, ohne, dass er grundlegende theologische Begriffe über den Haufen wirft, stattdessen hat er – der Popularität wegen – den billigen Marketingweg gewählt. Wenn ich schon gegen den Papst bin, dann möchte ich wenigstens noch Respekt vor ihm haben, da es deprimierend ist, zu wissen, dass ein Mensch, dessen Argumente in drei Sätzen umgeworfen werden können, derartig viel Macht innehat. Also Ratzi: nächstes Mal nen Lektor besorgen, selbst wenn es dann eventuell über die Köpfe der Politiker hinweg gehen würde…

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