S.C.U.M. – Again into Eyes

Zwei Dinge, die ich wirklich nicht leiden kann, kommen hier zusammen, zum einen ein Bandname, der diesen Scheiß mit Großbuchstaben und Punkten dazwischen abzieht, so dass ich jedesmal wie blöde auf der Tastatur rumhacken muss, damit er auch ja richtig aussieht. Zum anderen – und das eher aus Übersättigung – Postpunk/NewWave Musik, die nicht original aus den 80ern ist, denn mal ehrlich, Nu Wave war nach ca. drei Jahren sowas von gegessen und hat sich seitdem nicht mehr erholt. Nun ja, fast nicht. In der Zeit um 2008, als dieses Genre – wenn es jemals eins war – bereits anfing, komisch zu riechen, gründeten sich S.C.U.M. (grr). Interessant ist dabei, dass sie noch vor dem nun erscheinenden Debüt extensiv tourten und bereits Lieblinge von Portishead wurden. Nun ja, das ist nicht so interessant, aber sie nahmen auf ihren Touren länderspezifisch Songs in diversen Studios quer über Europa auf. Wie cool ist das denn? Ein Klang-Tagebuch, diese jungen Wilden (ja, die sind ungefähr 16, wie man am Video sehen kann).

“Again into Eyes” gibt einem das Gefühl, dass man es eigentlich abwerten sollte, weil es mit den ersten Klängen wie die Run-of-the-mill Nu Wave/Shoegazer Band klingt, aber irgendwie – und noch weiß ich nicht genau warum – ist da Wärme, wo man sonst in diesen Genres keine findet, die typische glasklare Produktion des Echos werfenden New Wave wird durch ein Flimmern und den wunderbaren Gesang gefüllt, so dass kein Platz bleibt, um den kalten Hauch der 80er im Nacken zu spüren. Ok, anders gesagt, man stelle sich die Psychedelic Furs vor mit dem Backing Track von The Arcade Fire. Diese unter den industriellen Klängen versteckte Melodienverliebtheit ist einfach grandios, könnte sicher ohne große Komplikationen in kanadischen Indiepop uminterpretiert werden, ohne merkwürdig zu klingen. Genau das ist die Stärke dieser Band, diese unübliche Detailarbeit, die fast spielerisch ist und den kühlen Flair der 80er ein wenig aus den Angeln hebt, gerade so viel, dass man sie nicht genau einschätzen kann und mit fragendem Blick bis zum Ende des Albums durchhört. Sowas macht süchtig, wie diese merkwürdigen Kaffeegummidrops, die es im Winter 2004 von Haribo gab und nach denen ich süchtig war, obwohl ich es nicht hätte sein dürfen. Und dann wurden sie aus den Regalen genommen…ich suche immer noch.

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2 thoughts on “S.C.U.M. – Again into Eyes

  1. Am Donnerstag hab ich die Jüngelchen live gesehen – auf der Bühne sehr zu empfehlen – musikalisch und dramatisch. Leider hatte ich meine Nebelscheinwerfer nicht dabei, um die pathetische Performance (die mir doch auch ein Lächeln entlockt hat) besser sehen zu können.

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    1. Oh man, danke für den Hinweis, dann weiß ich ja, was ich mitnehmen muss, wenn ich sie evt. mal live sehe. Aber gut zu wissen, dass sie live was hergeben, diese hippen Bands sind ja manchmal etwas lustlos auf der Bühne.

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