That was the month that was: Musik, Alben und mehr im Oktober

Vor einem Jahr scheuchte man mich noch frisch aus dem Ei geschlüpft aus dem warmen Nest der Universität in die kalte, grausige Welt hinaus, nur Wochen sollten mich von der korrupten Hauptstadt trennen, für ein Kleinstadtmädchen wie mich der sichere Abstieg in Drogensucht, Prostitution und Kastenbrillen ohne Brillengläser. 12 Monate später: Alles peachy, vom steigenden Drogenkonsum einmal abgesehen, aber hey, die anderen Kids machen es auch! Nein, die Hauptstadt hat mir gut getan, die Stahlbetonwände haben ihre Bohrerundurchlässigen Arme ausgestreckt, um mich in staubige Umarmungen zu wiegen.

Ich merke gerade, dass ich diesen Eintrag für Dezember/Januar hätte aufsparen sollen, aber egal, da werd ich sicher genug zu tun haben, mich über die Feiertage zu beschweren.

(ich find sie ja etwas anstrengend, aber in Maßen lassen sie sich definitiv genießen)

Warum diese Euphorie? Ich habe die letzten Monate eine nette Anzahl an unglaublich schönen Interviews hinter mich gebracht, so etwas beflügelt, da normalerweise die Hattrick-Kombo a la gute Band/gutes Interview/gutes Konzert nicht so oft vorkommt, aber in den letzten Monaten dekadent häufig vor meinen staunenden Augen landete, was wohl nicht zuletzt an den wunderbaren Labels und Agenturen liegt, die mich regelmäßig in ihre dicken Terminkalender unterbringen. So also auch diesen Monat, in dem tatsächlich noch kurzfristig British Sea Power interviewen durfte. Die waren ziemlich groggy, aber trotzdem sehr gesprächig, so zäh mir das Interview währenddessen erschien, so produktiv war es, als ich es mir dann noch mal angehört habe, es gibt eben wirklich Unterschiede zwischen müden Musikern und Musikern, die einfach keinen Bock haben.

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Das anschließende Konzert war auch großartig, da man in den ersten 10-15 Minuten die Müdigkeit merken konnte (ich vor allem, weil ich ihren fulminanten Hurricane 2007 Auftritt noch klar im Gedächtnis hatte), sie dann aber absolut abhoben. Außerdem war die erste Reihe neben Cooli-o-Me voll von interessanten Menschen: dem Ökotypen, der wahrscheinlich super gruselig ist (er sah zumindest gruselig aus und wie sagt man so schön “judge a book by its cover”, einer Dame ohne Kinn, drei betrunkenen, britischen Boobmädels und dann noch das mega-Fangirl, das mich ein wenig an mich erinnert hat, mit der Ausnahme, dass meine Kamera besser war und sie irgendwie etwas traurig wirkte, was sicher daran lag, dass sie doch das Mega-Fan girl war, aber jeder mehr Spaß hatte als sie. Oh Mega-Fan girl, wann wirst du endlich den Moment genießen können, egal wieviele Boobmädels dich anrempeln?

Und dann, mittendrin im Monat, als ich eigentlich nicht mehr mit einem weiteren Glücksgriff gerechnet habe, liefen mir True Widow unter, die ich nur interviewen wollte, weil ich das Genre noch schmerzlich wenig vor dem Mikro hatte, gleichzeitig die Musik so einnehmend fand, dass ich wusste, dass dahinter sicher bis obenhin gefühlte Köpfe stecken würden. Und jaha, Recht hatte ich, eines meiner schönsten Interviews dieses Jahr, nicht zuletzt, weil mein Plan, etwas spontaner in Interviews zu werden, zumindest bei dieser Band hervorragend geklappt hat.

So, jetzt müssen sie nur ganz schnell wieder kommen, weil ich mir erst im Anschluß wirklich alles von ihnen angehört habe und noch viel mehr Fragen habe und auch noch meine Schüchternheit überwinden und mit dem Sänger flirten muss, weil ich so auf seinen Texanischen Südstaatenakzent stehe…grrr…howdy, partner. Äh, wo war ich? Hihihihi…

(einer meiner 5-8 Lieblingssongs der Platte)

An Alben hat es daher vorwiegend die Interviewpartner gegeben, aber davor und daneben hat mich auch noch Peter Gabriels “New Blood” beeindruckt, eine sehr schwere, sehr üppige orchestrale Interpretation einiger seiner größten Songs. Man fühlt sich nach dem Album so, als hätte man ein Kilo Schokoladenmousse gegessen, aber es lohnt sich definitiv.

(es mag an meiner Liebe für alles Gabriel liegen, aber die ersten Töne jeglicher Version von “In your eyes” und ich bin ein strahlendes Honigkuchenpferd, nur Elbow schreiben ähnlich perfekte Liebeslieder, aber Gabriel bleibt dort ganz weit oben in den Wolen…)

Florence and the Machine mit “Ceremonials” haben leider etwas enttäuscht, so gerne ich ihre Songs für sich mag, irgendwie ist mir ihr aktuelles Album zuviel, die Üppigkeit eines Peter Gabriel ohne das Talent, zwischendurch auch einmal Luft zu holen (also so, wie ein Kilo Schokomousse essen, ohne, sich die Hose aufmachen zu dürfen).

S.C.U.M. und die Stepkids fanden dann auch noch Platz, davor und dazwischen war ich aber mit meinen Spezialen, vor allem der gigantischen Halloween-Kollektion, beschäftigt, so dass es scheinbar spärlich ausgefallen ist, tatsächlich aber nen Haufen an Musik gab (ich bin einfach zu gut für diese Welt, anstelle für jeden Halloween-Song einen Post zu veröffentlichen, was sicherlich mehr Leser angezogen hätte, war ich Leser-freundlich und Blog-schädlich und habe alles in einem Beitrag verwurstet).

Stolz bin ich auf mich, weil ich endlich meine gigantische Wolves vs. Bears vs. Tigers Runde beendet habe, ich bin mir relativ sicher, dass ich den Bears-Beitrag schon mal geschrieben habe, dass er aber durch diverse Laptop-Abstürze wieder verloren gegangen ist. Etwas doppelt schreiben ist immer ätzend (das wird immer kürzer und weniger witzig, wir alle kennen das, wenn wir Urlaubskarten schreiben), weshalb es so lange gedauert hat. Meine Reise zurück in die englische Sprache mag auch geholfen haben, DAS wird es jetzt auch wieder häufiger geben, nicht nur, weil es Spaß macht, sondern auch, weil es immer mal wieder hilft, nicht ständig dasselbe zu schreiben (Synonyme für “großartig” finden ist ne Bitch).

Buch des Monats: ist eher eine Kurzgeschichte des Monats, aber was für eine. Für meine Recherche zum The Airborne Toxic Event Interview hab ich eine Kurzgeschichte von Mikel auf der Bandhomepage gefunden, die mich sehr an Stewart O’Neil vs. Generation X Schreiber Douglas Coupland (ich denke da an sein “Girlfriend in a coma”) erinnert hat. Ich fand sie sehr großartig, weil nichts gewollt hip erscheint, was ob der doch recht individuellen Charaktere eine echte Meisterleistung ist, da die oftmals so überzogen geschrieben werden, dass sie einfach zu craz-ey sind und daher an Glaubwürdigkeit verlieren.

Meine (aufpassen, neuer Unterpunkt im Monats-Roundup) Lieblings-Vintage-Band des Monats sind dieses Mal The Veils, die sich in meinem Herbst/Halloween MP3 Mix ob ihrer dekadenten Opulenz wieder gefunden haben und die ich wieder einmal als unglaublich umwerfend befinden musste. Dabei muss ich zugeben, dass ich nur die ersten zwei Alben besitze, da wäre wohl eine Nachhilfestunde angebracht.

Statt dem Monats-Webcomic tippe ich meinen Hut für Bloggernachbarn Muriel von Überschaubare Relevanz. Man kriegt es hier nicht so oft mit, aber mein abgebrochenes Theologie- und erfolgreich durchgezogenes Philosophiestudium (alas, nur als Nebenfächer) schwirren immer noch in meinem Kopf, sogar häufiger als man meiner immer-euphorischen Miene anmerken könnte. Zurück zum Punkt, den ich machen wollte: Muriels großartigen Blogeinträge regen die Nervenzellen an, die Lachzellen und alle anderen Zellen, die sich angesprochen fühlen. Schlimmer noch, man wird auch noch gebildet (ich weiß, das ist auf den ersten Blick abschreckend, aber es lohnt sich). Neben den Einträgen lohnt sich immer auch der Blick in die äußerst höflichen Kommentare, in denen man Argumentieren lernen kann, vor allem aber die im Internet rare Form der vorwiegend jugendfreien Argumentation ohne politisch kritische Aussetzer und wüste Beschimpfungen. In 10 Jahren wird man seine Kommentarsektion in Museen ausstellen als die letzte Insel der Höflichkeit im Meer der Respektlosigkeit aka dem Internet.

Dass ich zu ca. 90% in allem übereinstimme, was Muriel zu sagen hat, mag auch Grund dafür sein, dass ich in so großen Tönen von ihm rede. Ich liebe es nun einmal, in meiner Meinung bestätigt zu werden.

Mein Patent des Monats: Schon erwähnt, trotzdem nochmal hervor zu heben: Kommentar-Windhexen, gerne auch für Facebook-Statuse und andere sozialnetzwerk-bedingte Landminen mangelnden Feedbacks. Gerne auch gegen Grillengezirpe oder verlegenes Räuspern einzutauschen, für jeden, der Audio bevorzugt.

Übrigens hat mit November offiziell die Weihnachtszeit für mich begonnen, ich habe heute ein Schaf im Wollpulli für meinen Arbeitsplatz gekauft, the games/chimes can begin.

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