Lazy Sunday: Am ersten Januar wird sich kollektiv geschämt

Manchmal, wenn ich mir kitschige Hollywoodfilme oder aber die Wiederholung von “Wunderbare Jahre” ansehe, bereue ich es etwas, dass wir damals keine Videokamera hatten, um all die goldenen Momente meiner Kindheit aufzunehmen. Und dann erinnere ich mich an ein Foto meiner Einschulung, auf dem ich mit einem Eis in der Hand und total verheult neben meiner Mutter nach hause gehe. Ich weiß nicht mehr, warum ich geheult habe, aber ich weiß, es war etwas absolut prophanes und Wellen der Scham überrollen mich, denn plötzlich fallen mir all die Momente meiner Kindheit ein, zu denen die Kamera sicher gelaufen wäre und die mir heiße Tränen der Reue in die Augen getrieben hätten, von meiner merkwürdigen Vampir-Phase hin zu dem Kinderfasching, als meine Mutter mich als politisch inkorreten Chinesen verkleidet hatte (Anfang der 90er war das anscheinend noch gesellschaftlich akzeptabel).

Die Ramsay Brüder hatten weniger Glück, denn bei ihnen war die Kamera immer dabei. Anstelle irgendwelchen Therapeuten Geld in den Rachen zu werfen, haben sie allerdings das Richtige getan und haben die künstlerischen Aspekte der Heimvideos beleuchtet, mit Gewicht auf die psychologischen Motivationen der Charaktere.

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