Nach dem Interview: Noch ganz benommen und daher sicher viel zu blumig

Normalerweise schreib ich ja nicht so viel über meine Interviews, da ich sie oftmals genug auf Germanblogs oder für LOHRO verarbeite. Aber heute war es mal wieder etwas besonderes, etwas so besonderes, dass ich heut nacht nicht schlafen konnte und heute nachmittag mit Schmetterlingen im Bauch zum Postbahnhof gehüpft bin.

Die Maccabees haben im Januar ihr drittes Album heraus gebracht, ein Album, dass sich mit jedem Durchlauf mehr entfaltet und es immer noch tut, selbst, wenn ich es schon so oft gehört habe, dass ich davon träume.

Heute hatte ich also Hugo vor meinem Mikro, auf einer kleinen Couch zwischen den Toiletten im Club (wirklich, zwischen den Toiletten und es war überall laut).

Ich glaube, ich war ausnahmsweise mal sehr Fan-mäßig, konnte mir am Ende auch nicht verkneifen, zu sagen, wie nervös ich war, weil ich die Maccabees so großartig finde. Aber alle 50 Bands darf man das und ich werde es wieder machen, wenn ich sie noch mal vor dem Mikro habe und wieder und wieder (dann hoffentlich alle, dann kann ich eine Gruppenumarmung erzwingen, alleine mit Hugo hab ich mich nicht getraut, man will ja keine persönlichen Grenzen überschreiten).

Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr man die Liebe zur Musik daran erkennt, dass die Musiker tatsächlich mit einem reden wollen und eben nicht das Klischee der arroganten BLEEPS erfüllen. Vielleicht habe ich auch bis hierhin Glück gehabt, aber ich gehe mittlerweile wirklich davon aus, dass die meisten Bands (zumindest die, die noch nicht so berühmt sind, dass sie noch mit mir reden) es wirklich aus Liebe machen.

Und gerade deshalb gönne ich es ihnen, wenn sie berühmt werden, auch wenn ich mich dann in den Clubs drängeln muss und sie nicht mehr vor das Mikro kriege und niemandem mehr mit ihnen überraschen kann. Aber wer so passioniert musiziert, sollte doch irgendwann einmal die Chance haben, das auch soweit machen zu dürfen, dass es nebenbei nicht noch 9 to 5 Jobs geben muss.

Je länger ich meine Band nur für mich habe, desto wahrscheinlicher, dass sie irgendwann nicht mehr weitermachen können, selbst wenn sie wollten.

“Wall of Arms” hat mich umgeworfen, nachdem ich bereits ein großer Fan von “Colour it in” war und die Maccabees schon lange als die etwas andere Britpop Band angeflirtet hatte, war ich trotzdem überrascht, wie emotional diese Band ist. Wie ehrlich und völlig unironisch.

So etwas muss man hoch achten, denn Ironie ist für viele Indiebands die Schutzmauer, die selbst kitschige Melodien oder Texte irgendwie verteidigt, so dass die Musiker cool an eben dieser Mauer stehen können, ein paar Fußbreit über dem Boden und mit einer Kippe im Mundwinkel.

Bei den Maccabees hatte ich nie das Gefühl, irgendwie fehlte dort immer das Netz und die Band machte sich nackig, nicht zuletzt durch Weeks’ Gesang, der auch so völlig anders war, so eigen, persönlich.

Und dann “Given to the wild”. Mit insgesamt 2 Jahren hat sich die Band ordentlich rein gehängt, laut Hugo haben sie auch nicht mehr Songs in Petto als diese 13, mehr braucht es aber auch nicht, denn die sind perfekt. Alles ist opulent und leichtfüßig, die Gesangslinien sind so delikat und schweben geradezu, während der Rhythmus nach vorne treibt.

Wer traut sich schon, sich einen Top Produzenten anzulachen und dann seine Ergebnisse wieder völlig umzuwerfen, weil sie nicht zur Band passen? Diese Sputzke muss man erst einmal haben, diesen Anspruch an seine Musik, um sich daraufhin zwei Monate einzuschließen und alles so zu mischen, dass es passt, alles quasi noch einmal von vorne zu machen.

Und wer entwickelt Songs schon in endlosen Diskussionen innerhalb der Band, kleinen Sticheleien, die sich stundenlang ausbreiten können?

Es gibt Alben, die ich mit einer außerordentlich schönen Zeit verbinde und dann gibt es Zeiten, die ich mit außerordentlich schönen Alben verbinde, selbst Zeiten, die an und für sich nicht schön waren. Und vielleicht mach ich das alles deswegen, weil ich am Ende mein ganzes Leben neben den wichtigen Menschen auch mit Musik zusammenhalte, von einem Song zum nächsten und wieder zurück.

PS: Das Interview – wenn nix dazwischen kommt – hau ich noch diese Woche auf Germanblogs raus und verlinke es dann HIER.

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