Lazy Sunday: Forever Young

Ach ja, damals, als wir noch jung waren und in silbernen StripperOutfits in Bettlaken gewickelt an der Decke hingen, während uns hunderte Menschen zusahen und ein höchstwahrscheinlich als Michael Jackson?, Udo Lindenberg?, Frank Sinatra? verkleideter Fremder uns beobachtete und ein sicherlich nicht ganz legales Plagiat des Rolling Stones Markenzeichens rechts unten neben uns an all die Zeiten erinnerte, an denen wir Acid gedropped haben und schreiend durch Einkaufshallen gerannt sind und mit von uns blutig gebissenen Armen verkündeten, dass Jesus Christus unter uns ist. Ich vermisse sie schon ein wenig.

Wie sangen schon Alphaville: Forever young, I want to be dangling in bedsheets forever young!

Lazy Sunday: Bild dir deinen dann doch nicht so guten Spruch

Derzeit geistern wieder die BILD Plakate durch die Gegend, auf denen Promis über das Magazin herziehen dürfen, so ganz nach Lust und Laune und das unentgeltlich, damit man auch den guten Willen erkennt. Wartet mal, wenn ich nicht mal Geld dafür kriege, dass mein Gesicht so gefährlich nah neben dem BILD-Logo auf meterhohen Plakatwänden schwebt, wofür mach ich das eigentlich? Ach ja, es wird ja gespendet, daher ist jeder, der sich wehrt ein Menschenfeind, der Schuld hat, dass 30 Kinder aus Afrika sterben und zwar schnipps-jetzt-schnipps-jetzt-schnipps-und schon wieder.

Naja, abgesehen davon – schnipps – sind die Sprüche auch immer wieder amüsant. Der Magath macht es wie die BILD und bleibt sich selbst treu, was besonders dann gut funktioniert, wenn man keine Ansprüche an sich stellt. Frau Almsick findet es toll, dass sie durch die BILD im Haifischbecken schwimmen gelernt hat. Aber Franzi, das ist doch dumm, welcher Idiot lernt denn ausgerechnet im Haifischenbecken schwimmen? Ich lern ja auch nicht auf einem Feld voller Landminen gehen oder absolviere meinen Erste Hilfe Kurs, während ich durch das gefährlichste Viertel in New York renne und dabei laut Rassentrennung fordere. Da doch lieber Barth, der irgendwas über das Frauenbild sagt, so mit Zwinkersmiley und das “bild” in “Frauenbild” in dicker Fünftklässlerschrift in rot nachgezeichnet, weil, is ja ein Wortwitz und so. Der Barth ist schon toll, wie der bemerkt hat, dass die BILD Frauen nicht so dolle behandelt, der Zwinkersmiley soll doch dann bestimmt auch voll süß gemeint sein, so a la “ich weiß, was Frauen wollen, denn meine Freundin…ihr wisst schon…was die halt immer so macht” – Gelächter, haha, ja, Freundinnen auch immer mit den Dingen, die sie so machen – schnipps.

Vor einigen Monaten war auch der Geigerschönling David Garrett dabei, der dann die Bild schnippisch mit der niederen Kunst verglich aka dem Schlagzeug. Musiker wissen ja allgemein, dass das Schlagzeug die RTL2 News der Musiklandschaft sind, kein intelligenter Mensch würde sich damit den Ruf ruinieren, da kann man ja gleich mit dem Kochlöffel auf ein paar Töppen herum kloppen, ganz im Gegensatz zur feinen Geige, mit der noch niemals Schindluder getrieben wurde und die dann ja quasi mindestens die arte News repräsentiert. David Garrett ist daher perfekt, da er die Anmut der klassischen Musik schon seit Jahrtausenden repräsentiert:

Aw, Michael wäre stolz auf diese Ausschlachtung seiner Arbeit.

2011 schrieben Wir sind Helden einen offenen Brief an den BILD Aufruf, doch auch mal etwas zum Schmuddelblatt zu sagen, das war irgendwie dann doch ganz nett. Aber meine Idee ist noch besser, weshalb ich unbedingt soweit berühmt und Massenkompatibel werden muss, dass ich auch mal gefragt werde:

Lazy Sunday: Charlie Brookers 2011 Wipe

Ich habs um einen Monat verpasst, aber egal, Charlie Brooker hat zwar seine Screen- und Newswipe-Serien aufgegeben (und ich werde es ihm nie verzeihen), dafür hat er 2011 nicht nur eine sehr deprimierende Kurzserie an von humorlosen Misanthropen geschriebenen Twilight Zone Folgen ähnlichen Distopien namens “Black Mirror” kreiert (die besser ist, als sie in diesem Satz erscheint), sondern auch noch einen Jahresrückblick in alter, bissiger Manier produziert.

Ich selbst dachte ja, dass das Gefühl, 2011 wäre ein Reigen an pre-apokalyptischen Warnzeichen gewesen, nur daher stammt, dass ich erst seit letztem Jahr irgendwie auf das Weltgeschehen geachtet habe, aber wenn selbst Brooker das behauptet, muss es ja stimmen und der 21.12. wird definitiv das Ende der Welt bestimmen. Bis dahin können wir aber noch alles viel schlimmer machen, denn wenn wir schon untergehen, dann doch bitte unter den schlimmstmöglichen Bedingungen, damit es sich auch lohnt und man das Brennen in den Höllenfeuern auch wirklich verdient hat. Nur wegen meines Atheismus brennen wäre mir nämlich irgendwie etwas übertrieben, aber wenn ich bis dahin etwa die Holländer beim Forschen an einem künstlich ansteckender gemachten Grippevirus unterstütze, kann ich mit einem dicken, fetten Grinsen im Kochkessel sitzen.

So, nu aber zu 2011, wie immer zthemusic zu danken, der uns Nicht-Briten den Brooker näher bringt:

Lazy Sunday: Am ersten Januar wird sich kollektiv geschämt

Manchmal, wenn ich mir kitschige Hollywoodfilme oder aber die Wiederholung von “Wunderbare Jahre” ansehe, bereue ich es etwas, dass wir damals keine Videokamera hatten, um all die goldenen Momente meiner Kindheit aufzunehmen. Und dann erinnere ich mich an ein Foto meiner Einschulung, auf dem ich mit einem Eis in der Hand und total verheult neben meiner Mutter nach hause gehe. Ich weiß nicht mehr, warum ich geheult habe, aber ich weiß, es war etwas absolut prophanes und Wellen der Scham überrollen mich, denn plötzlich fallen mir all die Momente meiner Kindheit ein, zu denen die Kamera sicher gelaufen wäre und die mir heiße Tränen der Reue in die Augen getrieben hätten, von meiner merkwürdigen Vampir-Phase hin zu dem Kinderfasching, als meine Mutter mich als politisch inkorreten Chinesen verkleidet hatte (Anfang der 90er war das anscheinend noch gesellschaftlich akzeptabel).

Die Ramsay Brüder hatten weniger Glück, denn bei ihnen war die Kamera immer dabei. Anstelle irgendwelchen Therapeuten Geld in den Rachen zu werfen, haben sie allerdings das Richtige getan und haben die künstlerischen Aspekte der Heimvideos beleuchtet, mit Gewicht auf die psychologischen Motivationen der Charaktere.

Lazy Sunday: Am Wochenende werd ich gerne psychotisch wie Kirsten Dunst

Großartig, was hier zusammen gefilmt wurde, unter der Regie von Alex Prager, vor allem aber unter der cinematographischen Kunst von Ross Richardson und Ali Heinweins großartiger Musik sind eine große Handvoll Kurzfilme mit den größten Schauspielern 2011 entstanden, die klassische Filmbösewichte verehren. Ich gebs zu, ich erkenne direkt nur ca. 3-4, der Rest erschließt sich eher durch Stereotype für mich.

Aber mit Ausnahme von Kirsten Dunst (es sei denn, es ist gewollt, dass sie weder sexy noch gruselig sein soll, sondern einfach nur psychotisch, dann ist sie perfekt) sind alle sehr gelungen, meine Lieblinge sind definitiv Viola Davis, Brad Pitt, Gary Oldman und Michael Shannon, die wirklich unheimlich sind (na gut, Michael Shannon ist einfach nur ein grandioser Bösewicht, auch wenn ihm nicht ganz so viel Horror anhängt).

HIER gibt es die Wunderwerke zu bestaunen.

so…this actually happened…

Offensichtlich schreib ich derzeit weniger über Musik, was daran liegt, dass ich mich a.) mental auf Top of the Blogs 2011 vorbereite und auch noch ein 80s Pop Revival im Hinterkopf habe, das hoffentlich auch noch dieses Jahr hier erscheint und b.) weil mich derzeit auch nix wirklich umhaut, von den bereits erwähnten Bands der letzten Monate einmal abgesehen. Naja, damit hier nix austrocknet, hier etwas, was…äh…ja…

Wow.

Und ich weiß, es ist total vorhersehbar, aber hey, cooler Song:

Lazy Sunday: You stay classy, Axe Excite!

Ach ja, die subtilen Botschaften, die Axe seit tausenden von Jahren an den Mann und nur an den Mann bringt, das neuste Kunstwerk nenne ich mal: here, let me unwrap my vagina for you! Merry Christmas…