Mother Falcon: Alhambtra

Man darf sich überrannt fühlen, wenn das ungefähr 12-köpfige Team um Mother Falcon erst einmal los legt, geboren wurde das Projekt von 3 klassisch ausgebildeten Cellisten, die auch mal etwas anderes machen wollten. Und wie das an der Universität so ist, kamen dann plötzlich noch unglaublich viele Leute mit hinzu, die mitmachen wollten, da Fachschaften und Fraternities einfach ätzend sind.

Und dann passiert sowas wie Mother Falcon, rasende Kompositionen, die so großzügig und opulent sind, dass selbst Sufjan Stevens und Owen Pallett ein wenig neidisch werden, auf ihrem Album “Alhambra” gibt es sogar einen Walzer, der schöner nicht sein könnte. Klassisch bleibt es zwar durchgehend, aber auch dramatisch und düster, manchmal sogar so weit, dass es fast nach Alternative klingt und damit eher in die Richtung von Shearwater und Straylight Run geht, als die ansonsten doch sehr blumigen Orchesterkombos von Beirut, Sufjan und Co.

Mir persönlich ist die Kinnlade bei “Alligator Teeth” herunter gekippt und ist auf dem Boden in Scherben zersprungen. Ach was, eigentlich hat sie das schon bei “Overture” gemacht, das gesamte Album war eine Reise von erstaunten “Wow”s und fassungslosem Kopfschütteln.

Nach dem Interview: Noch ganz benommen und daher sicher viel zu blumig

Normalerweise schreib ich ja nicht so viel über meine Interviews, da ich sie oftmals genug auf Germanblogs oder für LOHRO verarbeite. Aber heute war es mal wieder etwas besonderes, etwas so besonderes, dass ich heut nacht nicht schlafen konnte und heute nachmittag mit Schmetterlingen im Bauch zum Postbahnhof gehüpft bin.

Die Maccabees haben im Januar ihr drittes Album heraus gebracht, ein Album, dass sich mit jedem Durchlauf mehr entfaltet und es immer noch tut, selbst, wenn ich es schon so oft gehört habe, dass ich davon träume.

Heute hatte ich also Hugo vor meinem Mikro, auf einer kleinen Couch zwischen den Toiletten im Club (wirklich, zwischen den Toiletten und es war überall laut).

Ich glaube, ich war ausnahmsweise mal sehr Fan-mäßig, konnte mir am Ende auch nicht verkneifen, zu sagen, wie nervös ich war, weil ich die Maccabees so großartig finde. Aber alle 50 Bands darf man das und ich werde es wieder machen, wenn ich sie noch mal vor dem Mikro habe und wieder und wieder (dann hoffentlich alle, dann kann ich eine Gruppenumarmung erzwingen, alleine mit Hugo hab ich mich nicht getraut, man will ja keine persönlichen Grenzen überschreiten).

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Polica

Spinner schreibt seit neustem ähnliche Bands zu den Album-Streams, was immer öfter völlig daneben und verwirrend ist oder würdet ihr Bon Iver zu Electropop a la Austra zählen? Nee, wohl eher nicht, aber trotzdem steht er da unter dem Albumcover von Polica.

Bei Polica kann man dann auch mal hören, wie Autotune klingt, wenn man es für künstlerische Aspekte verwendet und nicht für die Korrektur der eigenen, schrecklichen Stimme. Leider scheinen das die meisten Kommentatoren unter dem Youtube Video nicht zu merken “Sie hat eine viel zu schöne Stimme für Autotune” – duh!).

Die Band kommt aus Minneapolis (und ist damit glaub ich die erste Band aus Minneapolis, die ich kenne…) und hat jüngst ihr Album “Give up the Ghost” heraus gebracht.

Punch Brothers: I’m gonna have me some Bluegrass, Y’all

Aha, es gibt also so etwas wie Progressive Bluegrass – man lernt nie aus. Vorstellen kann man sich das so, als würden Mumford & Sons Jethro Tull interpretieren (ich hatte es erst anders herum, dachte mir dann aber, dass das nicht so gut passt, macht Sinn, oder?), gehört also nicht zu den herausfordernd progressiven Sachen, sondern ist doch sehr Hörerfreundlich, mit der Ausnahme, dass manchmal auch gejodelt wird (in Amerika ja immer noch gesanglich anerkannt).

Jüngst erschien das Album “Who’s feeling young now?” und das versetzt einen in die tiefsten Sümpfe der amerikanischen Südstaaten, inklusive so vielen Banjos, wie man sich wünscht.

Und jüngst gab es den Banjo Ritterschlag, wie im folgenden Video zu sehen, von Steve Martin (Mr. Banjo!). Hach ja, ich liebe Steve Martin – trotz “der rosarote Panther”…

Lazy Sunday: Forever Young

Ach ja, damals, als wir noch jung waren und in silbernen StripperOutfits in Bettlaken gewickelt an der Decke hingen, während uns hunderte Menschen zusahen und ein höchstwahrscheinlich als Michael Jackson?, Udo Lindenberg?, Frank Sinatra? verkleideter Fremder uns beobachtete und ein sicherlich nicht ganz legales Plagiat des Rolling Stones Markenzeichens rechts unten neben uns an all die Zeiten erinnerte, an denen wir Acid gedropped haben und schreiend durch Einkaufshallen gerannt sind und mit von uns blutig gebissenen Armen verkündeten, dass Jesus Christus unter uns ist. Ich vermisse sie schon ein wenig.

Wie sangen schon Alphaville: Forever young, I want to be dangling in bedsheets forever young!

Lieblingslied: Die Antwoord – I fink u freaky

Heute habe ich mir also mal das Die Antwoord Album angehört und prinzipiell hat es mir gefallen, aber für diese Art Musik (punkiger Electro Kram mit Hip Hop Einflüssen) brauch ich ein paar dickere Beats oder aber etwas mehr Dichte in den Texten, um es auf meine Best Of Listen zu zerren.

ABER ich liebe diese absolut bedrängende Atmosphäre in ihrer Musik, die überzogene Aggression und das großartig Trashige, das die Drei mit vollen Händen an die Zuhörer verteilen und rein musikalisch macht das im Sinne von Basement Jaxx/Aphex Twin natürlich auch Spaß, nur das Kopfnicken geht halt leider nicht immer so leicht von statten. Als Mix aus Electrobastard und Happening sind sie definitiv eine der Bands, die aus dem Einheitsbrei heraus stechen.

“I fink u freaky” ist dabei absolut genial und ist einer dieser Songs, die ich mit ganzem Herzen einmal live erleben möchte, alleine, um mal meine zurückhaltende Art auf Konzerten zu vergessen und völlig auszuticken. Und dann werde ich wahrscheinlich schwer verletzt und schwöre mir, nie wieder auszuticken.

Joby Talbot Hattrick

Da ich durch Peter Broderick an ihn und seine großartige Arbeit bei The League of Gentlemen erinnert wurde, hab ich mal wieder ein wenig herum gewühlt.

Kurz zum League of Gentlemen Soundtrack: Aufgabe war es ja, diese Kleinstadt in ein unheimliches Licht zu tauchen, gleichzeitig verspielt zu wirken, immerhin ist es eine Comedyserie (die Beste aller Zeiten, wenn es nach mir geht). Vor allem, weil die Gentlemen so ungefähr alle Genres von Horror über Thriller, zu Sozialsatire und Kneipenhumor abgedeckt haben, muss man schon sehr sicher als Komponist sein, das auch adequat herüber zu bringen und zu vereinen.

Talbot ist auch Mitglied von The Divine Comedy, was ich irgendwann, nachdem ich die Band entdeckt hatte, mal in Vorbereitung einer Sendung gelesen habe, woraufhin ich mich dann unglaublich gefreut habe, weil es so selten ist, dass Film-Komponisten auch in Popmusik machen, man sich das aber nicht selten wünscht, aus reiner Neugier, was daraus wohl werden würde.

Im Fall von Joby nur das Beste, was man an einem meiner Lieblingssongs hören kann:

(Ich weiß, dass ca. 90% aller Texte relativ zynisch gemeint sind, aber ich stelle mir doch gerne vor, dass dieser Song einfach nur diese wunderbare Ode an einen schönen Moment ist)

Joby hat auch für das Ballett “Alice in Wonderland” die Musik geschrieben, ich liebe es, wenn man einen Musiker aus seinen Kompositionen heraus hört, ohne, dass er sich ständig wiederholen muss. Das Schöne an Talbot ist, dass er sehr dramatisch, überschwänglich komponiert, gleicheitig immer etwas sinister klingt. Etwas gemein gesagt: Talbot ist der etwas detailreichere Elfman, da sein Sound doch sehr viel voller und bunter ist (nichts gegen Elfman, der Mann ist eine Legende).

Von dem, was ich hier sehen kann, lohnt sich der DVD-Kauf des Stückes unbedingt, zumindest für diejenigen, die Märchen auf klassische Art und Weise lieben, die Ausstattung ist grandios, das Bühnenbild fantastisch, die Kostüme allein – bezaubernd, von den Tänzern fang ich hier gar nicht an, in den Kommentaren zum Video kann man lesen, dass Alice ca. 2 Stunden lang durchtanzt, was absoluter Hochleistungssport ist). Ich bin hin und weg.

Sammelpost: You.You.You, Peter Broderick und The Asteroids Galaxy Tour

So, ich konvertiere anscheinend zurück zu den Sammelposts, die ich ja zu Urzeiten dieses Blogs (was war ich jung und zuversichtlich damals) mal gemacht habe. Da ich derzeit nicht viel um, aber viel zwischen den Ohren habe (was jetzt schrecklich klingt, ich meine so Ideen-mäßig, also nichts ekliges), bleibt mir aber keine andere Wahl, wenn ich den Blog nicht vollkommen verwildern lassen will. So, uffi gehts.

You.You.You.

Ab und an finden sich Bands auf meiner Seite ein und schicken mir dann Mails, die oftmals weniger gute Musik beinhalten, manchmal dann aber doch wirklich tolle Sachen. Diese ganze Electro-Schiene ist derzeit zwar nichts für mich, aber You.You.You. fand ich dann doch ganz reizend. Die Band kommt aus Dänemark und macht diese Art James Blake Musik, die sehr kühl, aber auch sehr stylish daher kommt.

Ich muss schon sagen, wenn ich abends/nachts/früh morgens betrunken auf einer leeren Tanzfläche stehe, dann wünsch ich mir genau solche Songs, weil man dann so unglaublich melancholisch und cool aussieht, wenn man dazu tanzt.

The Asteroids Galaxy Tour

The Go-Team machen ja diese 80er inspirierte Breakdance Mukke, die ich Song-weise sehr schick finde, die mir auf Albumlänge dann aber schnell auf den Keks geht. Nicht so bei Asteroids Galaxy Tour, die noch eine gehörige Portion Funk rein bringen und durchgehend Laune machen, das Album fliegt nur so an einem vorbei. Bevor man also melancholisch und müde zu You.You.You. tanzt, bringt man sich erst einmal mit dieser großartigen, großartigen Band und ihrem noch besseren Album in Stimmung. Zu solcher Musik mach ich mich regelmäßig Ausgehschick und fühl mich total glamourous.

Witzig auch, dass sie akkustisch völlig Country klingen. Haha.

Peter Broderick

Zu guter Letzt ein unglaublich schönes Album, Komponist Peter Broderick (auch schon mal als Mitglied von Efterklang unterwegs gewesen) hat mit “Istartshear” sowas gemacht, was diese merkwürdigen Frickler wie er, Gavin Castleton oder Awolnation immer machen: unglaublich vielschichtige, experimentelle und Detail-verliebte Alben, die ein Leben lang halten. Der erste Song “I am Piano” erinnert mich ein wenig an einen Teil des Soundtracks der dritten Staffel von “The League of Gentleman” (alles komponiert von Joby Talbot, der bei The Divine Comedy mitwirkt), ein – trotz der sehr düsteren Serie selbst – kleines musikalisches Juwel, das ich mir auch auf CD zulegen würde, wenn es das gäbe.

Danach wird es noch besser, man hört so ein wenig Brian Eno heraus, was ja sicherlich nur Gutes bedeutet, gleichzeitig weiß man nie, was als Nächstes für ein Song kommen könnte, dennoch fließt alles. Wunderbar.

Hier mal was altes von ihm:

Lazy Sunday: Bild dir deinen dann doch nicht so guten Spruch

Derzeit geistern wieder die BILD Plakate durch die Gegend, auf denen Promis über das Magazin herziehen dürfen, so ganz nach Lust und Laune und das unentgeltlich, damit man auch den guten Willen erkennt. Wartet mal, wenn ich nicht mal Geld dafür kriege, dass mein Gesicht so gefährlich nah neben dem BILD-Logo auf meterhohen Plakatwänden schwebt, wofür mach ich das eigentlich? Ach ja, es wird ja gespendet, daher ist jeder, der sich wehrt ein Menschenfeind, der Schuld hat, dass 30 Kinder aus Afrika sterben und zwar schnipps-jetzt-schnipps-jetzt-schnipps-und schon wieder.

Naja, abgesehen davon – schnipps – sind die Sprüche auch immer wieder amüsant. Der Magath macht es wie die BILD und bleibt sich selbst treu, was besonders dann gut funktioniert, wenn man keine Ansprüche an sich stellt. Frau Almsick findet es toll, dass sie durch die BILD im Haifischbecken schwimmen gelernt hat. Aber Franzi, das ist doch dumm, welcher Idiot lernt denn ausgerechnet im Haifischenbecken schwimmen? Ich lern ja auch nicht auf einem Feld voller Landminen gehen oder absolviere meinen Erste Hilfe Kurs, während ich durch das gefährlichste Viertel in New York renne und dabei laut Rassentrennung fordere. Da doch lieber Barth, der irgendwas über das Frauenbild sagt, so mit Zwinkersmiley und das “bild” in “Frauenbild” in dicker Fünftklässlerschrift in rot nachgezeichnet, weil, is ja ein Wortwitz und so. Der Barth ist schon toll, wie der bemerkt hat, dass die BILD Frauen nicht so dolle behandelt, der Zwinkersmiley soll doch dann bestimmt auch voll süß gemeint sein, so a la “ich weiß, was Frauen wollen, denn meine Freundin…ihr wisst schon…was die halt immer so macht” – Gelächter, haha, ja, Freundinnen auch immer mit den Dingen, die sie so machen – schnipps.

Vor einigen Monaten war auch der Geigerschönling David Garrett dabei, der dann die Bild schnippisch mit der niederen Kunst verglich aka dem Schlagzeug. Musiker wissen ja allgemein, dass das Schlagzeug die RTL2 News der Musiklandschaft sind, kein intelligenter Mensch würde sich damit den Ruf ruinieren, da kann man ja gleich mit dem Kochlöffel auf ein paar Töppen herum kloppen, ganz im Gegensatz zur feinen Geige, mit der noch niemals Schindluder getrieben wurde und die dann ja quasi mindestens die arte News repräsentiert. David Garrett ist daher perfekt, da er die Anmut der klassischen Musik schon seit Jahrtausenden repräsentiert:

Aw, Michael wäre stolz auf diese Ausschlachtung seiner Arbeit.

2011 schrieben Wir sind Helden einen offenen Brief an den BILD Aufruf, doch auch mal etwas zum Schmuddelblatt zu sagen, das war irgendwie dann doch ganz nett. Aber meine Idee ist noch besser, weshalb ich unbedingt soweit berühmt und Massenkompatibel werden muss, dass ich auch mal gefragt werde:

Crippled Black Phoenix: (Mankind) the crafty ape

Woah, dat ist ein Berg an Rock, das gibt es gar nicht, eine dieser Bands, deren Name mir bekannt vorkam, die ich aber ehrlich gesagt nie wirklich gehört habe, dann flattert mir das Album ins Büro, ich seh mir mehr oder weniger begeistert das Musikvideo zur ersten Single an, erwarte rein gar nichts und dann – WUMMS.

Zwar nicht im Stile von einer Metaloffenbarung a la Mastodon, aber doch reichlich überwältigend, denn was einem da an angeproggten Rockbergen entgegenrollt, ist nicht von schlechten Eltern, alles vorwiegend bedrückend, durch gute Percussion-Einsätze (und so ein wenig 80er Feeling, yeah) wird es aber nie so schwer, dass man apathisch in einer Ecke sitzt und sich hin und her wiegt. Naja, vielleicht ein wenig.

Und so klingt das dann (ich poste die Single mal nicht, sondern lad euch gleich die wuchtigen Sachen auf):

Aber das ist nicht alles, was man so auf dem Album hört. Ich bin erst mit der ersten Scheibe durch (DOPPELALBUM!!!) und hab schon 5 Haken geschlagen, was die Genre-Belegung angeht. Ich liebe die Tatsache, dass sie es hinkriegen, die Prog-Elemente extrem 70er-lastig zu halten, während Gitarre und Gesang tief im Ende 80er/Anfang 90er Alternative waten, ohne dass es merkwürdig klingt.